Blick ins Buch "Reisen im Auftrag preussischer Könige gezeichnet von Julius von Minutoli"

linke Seite:

1842 noch farbige Sääulen in der Alhambra zu Granada

2009: erfolgreiche Suche nach Farbresten

 

rechte Seite (S. 563):

Maurische Wand- und Fußbodendekore für ein interessiertes preußisches Königspaar


©Dorothea Minkels

S. 565: Bühnentanz und Volkstanz

Der spanische Nationaltanz als Beziehungsdrama

©Dorothea Minkels

 

zu Textseite 98/99:

... Der Vorhang fliegt auf - da stehen sich beide, Tänzer und Tänzerin gegenüber, unbeweglich, den linken Arm in die Seite gestemmt, den rechten nachlässig herabhängend. Beide im reichsten andalusischen Kostüm. Er mit Schnallenschuhen, seidenen Strümpfen, kurzen engen Hosen mit farbigen Kniebändern, in der bunten goldgestickten Seidenweste, der braunen silberbesetzten, mit Schulterquasten reich verzierten, runden Samtjacke, den seidenen Gürtel umgeschlungen, Netz und Hut oder Barett auf dem Kopfe. Sie, die Tänzerin im Hütchen oder Blumenkranz, einem weit ausgeschnittenen, in Gold und Silber gestickten Mieder, kurzem, mit Flittern gestickten Rock, und seidenen Strümpfen.

Beide Teile der Musik werden nun mit ganzem Orchester noch einmal durchgespielt; gegen Ende des 2. Teils erhält das Tänzerpaar Leben; Arme, Kopf, Hals und Unterleib bewegen, biegen und wiegen sich, und mit dem vollen Takte ist Alles entfesselt, Alles in Aufregung, das Blut siedet, das Auge rollt, die Brust hebt sich, Leben und Glut, Sinken und Steigen, Suchen und Finden, Fliehen und Folgen, Fallen und Halten in ewigem Wechsel, aber Alles mit Grazie, immer im Takte, immer in zierlichen Stellungen ...

 

Die kursiv geschriebenen Zitate stammen aus Julius von Minutolis 1843 als Buch in geringer Auflage veröffentlichter Promotionsarbeit.

Zusammenfassung:

 

 

 

Der auf vielen Wissensgebieten hoch gebildete Jurist und Staatswissenschaftler Dr. Julius Rudolph Ottomar Menu von Minutoli (1804-1860) war auf vielen Arbeitsgebieten tätig:

 

  • als Gutachter für die Restauration einer alten Kirche in Vallendar bei Koblenz,
  • als für die Probleme der Menschen engagierter Beamter für Polizei- und Militärangelegenheiten in Posen [heute Poznan/Polen] und Berlin mit besonderem Schwerpunkt auf der Gefängniskunde,
  • als Forschungsreisender,
  • als Architekturzeichner, Darsteller von Personen, Trachten, Uniformen, Objekten aus dem Kunstgewerbe und des Handels, Dokumentarist der Tierhaltung und der Industrieentwicklung in verschiedenen Ländern,
  • als Berater der Regierung des preußischen Königs und Ministerien der spanischen Königin,
  • als Kontaktmann zu einflußreichen Persönlichkeiten und Herrschern im In- und Ausland, der Möglichkeiten zu Handelsvertrags-Abschlüssen mit anderen Nationen ausloten sollte,
  • als anonymer Autor von Beiträgen in der Preußischen Staatszeitung, der Leipziger Illustrierten, der Augsburger Allgemeinen Zeitung und dem Deutschen Kunstblatt,
  • als pfiffiger, unkonventioneller Polizeipräsident in Posen und Berlin, der 1848 als Kontaktmann zwischen dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und den zu mehr Einfluß strebenden Personen fungierte,
  • als Dokumentarist der Vorgänge in der Berliner Märzrevolution,
  • als Förderer von Personen, die ebenfalls Beiträge dazu liefern konnten, um ein umfassendes, möglichst sachliches historisches Bild zu 1848 für die Nachwelt zu erhalten,
  • 1848 als Organisator einer Bürgerwehr in Berlin,
  • als Organisator einer - zum großen Teil unbewaffneten - Schutzpolizei in Preußen,
  • als Erfinder des - heute noch gültigen - Prinzips der Deeskalation im aktiven Polizeidienst,
  • als Generalkonsul für Spanien und Portugal,
  • als Autor verschiedener Sachbücher zur Gefängniskunde, zur frühen Geschichte der Hohenzollern, zu Geschichte, Geographie, Handel und Volkssitten in Spanien sowie seinen Kolonien auf den Kanarischen Inseln, Portugal und seinen Kolonien,
  • als Forscher und Sammler auf den Gebieten Botanik, Zoologie, Mineralogie, Kunstgewerbe und Kunst für Museen in der Heimat,
  • als Gutachter in archäologischen Fragen,
  • zuletzt für den Deutschen Zollverein als erster deutscher Ministerresident und Generalkonsul in Persien.

 

 

 

Hunderte auf drei Kontinenten entstandene Zeichnungen zeigen zahlreiche Orte und Gebäude, die es heute nicht mehr gibt. Manche idyllisch wirkende Darstellungen belegen Orte, die hochpolitisch sind, da sie Belege für die asymmetrische Kriegsführung unter der französischen Kolonialmacht in Algerien sind.

 

Minutoli war ein kontaktfreudiger, unermütlich tätiger engagierter Humanist, ein Menschen- und Tierfreund, ein wandlungsfähiger sportlicher Dandy, der auch unter härtesten Bedingungen seinen Dienst für das Vaterland und die Wissenschaft erfüllte.

 

 

 

Kontakt:                                    

Dorothea Minkels

13465 Berlin              

Mail: dminkels@t-online.de