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Margret Dorothea Minkels: "Reisen im Auftrag preussischer Könige gezeichnet von Julius von Minutoli" - Von Berlin bis Persien

 

Verfasst von M.D. Minkels am Mo, 2014-02-10 20:46.                                    4626 Zeichen

Der in Berlin geborene Julius von Minutoli (1804-1860) war nach dem Jura-Studium Polizeipräsident in Posen und 1847/1848 in Berlin, Königl. preußischer Wirkl. Geheimer Ober-Regierungsrat, Autor mehrerer historischer Bücher über die Hohenzollern, Spanien, Portugal und die Kanarischen Inseln, u.a. Mitglied der Akademie der Geschichte in Madrid, der Akademie der Wissenschaften in Barcelona. 1860 wurde eine Lavendelart auf Teneriffa nach ihm "Lavandula minutolii Bolle" benannt.

Er stand dem preußischen Königshaus schon seit seiner Jugend nahe. Später war er mit einer Visitenkarte als Berater des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. im Ausland unterwegs. Dieses Sachbuch enthält über die Zeichenbücher aus Skandinavien (1835), Frankreich, Algerien, Spanien, Portugal und England (1842/43) hinaus viele weitere Zeichnungen, Karikaturen, Gouachen, die zum Teil erstaunliche Erklärungen haben. Die mehreren hundert Darstellungen von Menschen in ihren Landestrachten, Uniformen, ihre charakteristischen Physiognomien, die Ganzkörperdarstellungen von politisch wichtigen Personen belegen, dass er im Auftrag der preußischen Könige viel mehr als ein Architekturzeichner, ein Analytiker der sozialen und politischen Zustände, manchmal auch ein Karikaturist war. Minutoli bewegte sich in allen Gesellschaftsschichten. Er stand vor den Thronen zahlreicher Herrscher der damaligen Zeit, u.a. von Preußen, Spanien, Portugal. Er scheute sich aber nicht vor dem Betreten von Spelunken, um seine Studien zur Menschenkunde zu vervollständigen. Die Protagonisten der damaligen Zeit stellte er in veröffentlichten Abbildungen ihren Gegnern und Gegenspielern gegenüber.
Gänzlich neu sind einige von Minutolis anonymen Beiträgen in verschiedenen großen deutschen Zeitungen, von der Preußischen Allgemeinen Staatszeitung bis zu den liberalen Zeitungen, der Augsburger Allgemeinen und der Leipziger Illustrierten Zeitung. Solche anonymen Aufträge erfolgten auch im Auftrag des Präsidenten des preußischen Staatsrates. Der Urheber durfte nicht nur wegen der offiziellen Zensur keinesfalls bekannt werden, sondern auch um eventuelle diplomatische Verwicklungen zu vermeiden. Daher war zur Erstellung dieses Buches eine mehrjährige Recherche in verschiedenen Archiven und europäischen Schauplätzen nötig.
Im Auftrag des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten ging es um die Erforschung der Voraussetzungen für Handels-Verträge für den deutschen Zollverein mit anderen Staaten. Dieser Faden zieht sich durch drei Jahrzehnte von Minutolis Leben. Im Bereich der Wissenschaft war er vor allem Materialbeschaffer für Forscher verschiedener Fachgebiete, von der Naturkunde bis zu Inschriftenkunde. Auf dem Demawend in Persien machte er selbst Experimente, um die Höhe des Gipfels zu bestimmen.
J. von Minutoli ist heute in Deutschland vor allem als Berliner Polizeipräsident im Jahr 1848 bekannt. Er war zeitweise einer der engsten Mitarbeiter des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Von außerordentlicher Bedeutung war der im Ministerium des Inneren angestellte Berliner Polizeipräsident bei der Umsetzung des Konzepts der zahmen Revolution des Königs FW IV. Dabei ging es um die Umwandlung des Militärstaates Preußen in einen Industrie- und Kulturstaat: Die Macht des Militärs sollte im Bereich der eigenen Zivilbevölkerung beschnitten und in den Aufgabenbereich ziviler Ordnungskräfte, einer effizienten Schutzpolizei und Verwaltung, gelegt werden. Dabei kam es zwangsläufig zu Konflikten mit dem Militär. König FW IV war Jahre nach der Revolution noch überzeugt, Minutoli habe ihm 1848 den Thron gerettet. Eineinhalb Jahre nach der Entlassung als Polizeipräsident von Berlin wegen seiner volksfreundlichen, antimilitärischen Haltung wurde Minutoli Generalkonsul für Spanien und Portugal. Diese Tätigkeit übte er von 1851 bis 1859 aus. Dann wurde er in Generalkonsul für die deutschen Zollvereinstaaten und der erste preußische Ministerresident in Persien. Auf einer Dienstreise in den Süden Persiens starb er am 5. November 1860 bei Schiraz. Seine Gebeine auf dem Friedhof der armenischen Gemeinde in Schiraz wurden 1941 auf den Friedhof für Ausländer in Teheran umgebetet.
Insgesamt bietet das Buch einen zeichnerischen Einblick in die Biographie eines abenteuerlichen, schriftstellerisch und zeichnerisch sehr fleißigen preußisch-europäischen Bildungsbürgers im 19. Jahrhundert. Es ist nicht nur kunsthistorisch, sondern auch volkskundlich, geographisch und vor allem auch politisch interessant bis brisant.

Kontakt:                                    

Dorothea Minkels

13465 Berlin              

Mail: dminkels@t-online.de